Grundlagen · Orientierung · Konfliktklärung

Mediation: Was sie von Beratung unterscheidet. Und wann ein Gericht entscheidet.

Was ist Mediation? Mediation ist ein strukturiertes Verfahren zur Konfliktklärung. Die Beteiligten versuchen freiwillig und eigenverantwortlich, eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Der Mediator führt durch das Gespräch, entscheidet den Konflikt aber nicht.

Damit unterscheidet sich Mediation sowohl von vielen Formen der Beratung als auch von einem Gerichtsverfahren. Das bedeutet nicht, dass eines grundsätzlich besser ist. Entscheidend ist, was in der konkreten Situation gebraucht wird.

Sören Peter

Als Familienmediator begleite ich gemeinsam mit meiner Kollegin Jasmin Hirnich Paare und Familien in Situationen, in denen Gespräche festgefahren sind oder unterschiedliche Erwartungen zunehmend zu Belastungen führen.

Eine der häufigsten Fragen vor dem ersten Gespräch lautet dabei: Brauchen wir eigentlich eine Mediation, eine Beratung oder bereits rechtliche Unterstützung? Die Antwort hängt weniger vom Namen des Konflikts ab als davon, was jetzt geklärt werden muss.

Sören Peter, Familienmediator in Augsburg

Was ist Mediation?

Das Mediationsgesetz beschreibt Mediation als vertrauliches und strukturiertes Verfahren. Die Beteiligten versuchen mithilfe eines Mediators freiwillig und eigenverantwortlich, ihren Konflikt einvernehmlich zu lösen.

Der entscheidende Punkt ist die Rollenverteilung: Der Mediator entscheidet nicht, wer Recht hat und welche Lösung gelten soll. Er strukturiert das Verfahren, unterstützt die Kommunikation und achtet darauf, dass die Beteiligten angemessen und fair einbezogen werden.

Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei den Konfliktparteien. Eine Einigung entsteht deshalb nur, wenn die Beteiligten ihr selbst zustimmen.

Was unterscheidet Mediation von Beratung?

Der Begriff Beratung umfasst sehr unterschiedliche Angebote. Eine Rechtsberatung beantwortet andere Fragen als eine psychosoziale, systemische oder wirtschaftliche Beratung. Gemeinsam ist vielen Beratungsformen, dass eine Fachperson Informationen, Einschätzungen, Orientierung oder Empfehlungen geben kann.

In der Mediation liegt der Schwerpunkt anders. Der Mediator entwickelt nicht die Lösung für die Beteiligten. Er unterstützt sie dabei, ihre Interessen, Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu klären und daraus selbst eine Vereinbarung zu entwickeln.

Beratung und Mediation können sich ergänzen

Die Verfahren schließen sich nicht aus. Bei rechtlich bedeutsamen Fragen kann beispielsweise eine anwaltliche Beratung notwendig oder sinnvoll sein. Die Beteiligten können diese Informationen anschließend in ihre Entscheidungen innerhalb einer Mediation einbeziehen.

Was unterscheidet Mediation vom Gericht?

Ein Gericht hat eine andere Aufgabe. Es entscheidet einen Rechtsstreit auf Grundlage des geltenden Rechts. Die Entscheidung kann auch dann verbindlich werden, wenn eine Partei mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist.

Genau diese Entscheidungsbefugnis hat ein Mediator nicht. In der Mediation entsteht eine Lösung nur durch die Beteiligten selbst.

Wann eine gerichtliche Entscheidung notwendig sein kann

Ein Gerichtsverfahren kann notwendig sein, wenn eine verbindliche Entscheidung gebraucht wird, Ansprüche durchgesetzt werden müssen, eine Partei überhaupt nicht zu einer gemeinsamen Klärung bereit ist oder eine Situation keinen Raum für freiwillige Verhandlungen lässt.

Mediation und gerichtliches Verfahren sind deshalb keine Gegensätze, zwischen denen man sich grundsätzlich entscheiden muss. Auch während eines laufenden Verfahrens kann eine außergerichtliche Konfliktklärung in Betracht kommen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Drei unterschiedliche Fragen, drei unterschiedliche Aufgaben

Zwei Eltern sind sich nach ihrer Trennung uneinig darüber, wie Ferienzeiten künftig organisiert werden sollen.

Eine rechtliche Beratung kann klären, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten und welche Rechte oder Pflichten zu berücksichtigen sind.

In einer Mediation können die Eltern darüber sprechen, welche praktische Regelung zu Arbeitszeiten, Reisen, Bedürfnissen der Kinder und ihrem jeweiligen Alltag passt.

Wenn keine Einigung möglich ist und eine verbindliche Entscheidung erforderlich wird, kann letztlich ein Gericht entscheiden.

Mediation, Beratung oder Gericht: Was passt wann?

Mediation ist besonders dann interessant, wenn mehrere Beteiligte selbst eine Lösung entwickeln möchten und trotz des Konflikts noch miteinander verhandeln können.

Beratung ist sinnvoll, wenn zunächst Fachwissen, Orientierung oder eine individuelle Einschätzung benötigt wird.

Ein Gericht wird wichtig, wenn eine verbindliche rechtliche Entscheidung erforderlich ist oder eine freiwillige Verständigung nicht möglich beziehungsweise nicht angemessen ist.

In der Praxis können diese Wege auch nacheinander oder parallel sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht, möglichst früh ein bestimmtes Verfahren auszuwählen, sondern zunächst die eigentliche Aufgabe zu klären.

Mediation, Beratung und Gericht als unterschiedliche Wege der Konfliktklärung

Drei Fragen, die bei der Entscheidung helfen

1. Brauche ich Information oder eine gemeinsame Entscheidung?

Wenn zunächst geklärt werden muss, welche rechtlichen, finanziellen oder fachlichen Rahmenbedingungen gelten, kann Beratung der richtige erste Schritt sein. Wenn mehrere Beteiligte daraus gemeinsam eine Lösung entwickeln müssen, kann Mediation sinnvoll werden.

2. Können wir noch selbst entscheiden?

Mediation setzt voraus, dass die Beteiligten grundsätzlich eigenverantwortlich handeln und Entscheidungen treffen können. Unterschiedliche Meinungen sind kein Hindernis. Freiwilligkeit und ein Mindestmaß an Gesprächsbereitschaft sind jedoch notwendig.

3. Brauche ich am Ende eine verbindliche Entscheidung von außen?

Wenn keine freiwillige Vereinbarung möglich ist oder eine rechtliche Entscheidung zwingend benötigt wird, kann ein gerichtliches Verfahren erforderlich sein. Mediation ersetzt diese Funktion nicht.

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll sein kann

Wenn Gespräche festgefahren sind, mehrere Themen miteinander vermischt werden oder die Beteiligten allein keine tragfähige Entscheidung mehr finden, kann eine Mediation einen strukturierten Rahmen schaffen.

Sie ersetzt keine Rechtsberatung, Psychotherapie, medizinische Behandlung oder gerichtliche Entscheidung. Bei rechtlichen Fragen kann eine unabhängige anwaltliche Beratung sinnvoll sein. Bei Gewalt, Bedrohung, erheblichem Druck oder akuten Krisen muss zunächst geprüft werden, welche Form der Unterstützung einen geeigneten und sicheren Rahmen bietet.

Fazit

Mediation, Beratung und Gericht erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Beratung kann informieren und Orientierung geben. Ein Gericht kann verbindlich entscheiden. Mediation schafft einen Rahmen, in dem die Beteiligten selbst nach einer gemeinsamen Lösung suchen.

Welche Form sinnvoll ist, hängt deshalb nicht nur vom Konflikt ab. Entscheidend ist vor allem die Frage, was konkret gebraucht wird: Information, gemeinsame Verständigung oder eine verbindliche Entscheidung.

Häufige Fragen zur Mediation

Was ist Mediation einfach erklärt?

Mediation ist ein strukturiertes Gesprächsverfahren zur Konfliktklärung. Die Beteiligten entwickeln freiwillig und eigenverantwortlich ihre eigene Lösung. Der Mediator unterstützt den Prozess, entscheidet aber nicht.

Gibt ein Mediator Ratschläge?

Die zentrale Aufgabe eines Mediators besteht nicht darin, den Beteiligten eine Lösung vorzugeben. Er strukturiert das Verfahren und unterstützt die Kommunikation. Fachliche Beratung kann bei Bedarf ergänzend von entsprechenden Beratern eingeholt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Mediation und Rechtsberatung?

Rechtsberatung informiert und berät zu individuellen rechtlichen Fragen. Mediation unterstützt mehrere Konfliktparteien dabei, eigenverantwortlich eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Mediation ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Ist Mediation besser als ein Gerichtsverfahren?

Das lässt sich nicht allgemein sagen. Beide Verfahren haben unterschiedliche Aufgaben. Mediation setzt freiwillige Mitwirkung voraus. Ein Gericht kann dagegen eine verbindliche Entscheidung treffen, wenn eine Einigung nicht möglich ist oder eine gerichtliche Entscheidung erforderlich wird.

Brauche ich bei einer Mediation trotzdem einen Anwalt?

Nicht für jedes Thema. Bei rechtlich bedeutsamen Fragen oder Vereinbarungen kann eine eigene anwaltliche Beratung oder Prüfung jedoch sinnvoll sein. Der Mediator ersetzt diese individuelle Rechtsberatung nicht.

Kann Mediation auch während eines Gerichtsverfahrens stattfinden?

Grundsätzlich kann eine außergerichtliche Konfliktklärung auch während eines laufenden Verfahrens in Betracht kommen. Welche Auswirkungen dies auf das konkrete Verfahren hat, sollte mit dem zuständigen Gericht oder Rechtsbeistand geklärt werden.

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3 Kommentare

  1. Das ist ja der Hammer! Endlich mal jemand, der sagt, wir können den Schimmel im Keller selbst ausmisten, ohne gleich den Nachbarn zum Richter zu schicken. Die Idee, dass die Streitenden selbst was überlegen, statt dass uns ein Fremder aufdrückt, ist ja brillant. Na dann, wer packt schon mal die Schaufel und macht eine Mediation im nächsten Familienstreit um die letzte Schale Schokolade? Wird ja nicht schwer!

  2. Hach, das mit der Mediation klingt nach dem Versuch, Konflikte ohne Anwalt und Gericht zu schmieden. Die Idee, dass Streitende selbst eine Lösung finden und dafür Verantwortung übernehmen, ist ja nett und alles andere als freiwillig, wenn man mal drängt. Die Unterscheidung zur Beratung – da gibt ja jemand Ratschläge, während bei der Mediation alle tippen und tröpfeln müssen – ist klar wie Kaffee ohne Zucker. Und zum Gericht: Ja, da entscheidet jemand, der sicher weiß, was er tut… oder zumindest versucht es. Aber was ist, wenn die Streitenden so unüberwindbar verfeindet sind, dass sie die Mediation selbst zum neuen Streitpunkt machen? Dann bräuchte man doch eh einen Richter, der mal durchschaut! Lustig, wie man immer wieder nach Wegeln sucht.

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